Rene Kollarits
 
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Das Kastell in Sulz bei Güssing 

Historisches zum Gebäude und zu den Heilquellen:

Das hier befindliche Gut befand sich ursprünglich im Besitz von ungarischen Kleinadeligen. 1539 wurde der Ort vom ungarischen Palatin dem Adeligen Sanko de Ragusio zugesprochen. Später war es Eigentum der Familie Batthyány. 

Die Familie der Grafen Festetics besitzt in der Ortschaft Sulz im damaligen Deutsch-Westungarn ein Anwesen. Im Jahre 1815 lässt hier die Witwe Judith Gräfin Festetics, geborene Saller von Jakobhaza ein Schloss (ungarisch Kastell) als Witwensitz errichten.

Der unbekannte Baumeister gestaltet die Fassade mit 6 Säulen im Mittelteil betont prunkvoll. Der seitliche Anbau wurde einst als Zugang zu den Badeanlagen genutzt. Der Stil entspricht der Bauweise des Biedermeiers und erinnert an Bauten des Baumeisters Kornhäusel, der vor allem in Baden bei Wien tätig war.

Im Zuge der Errichtung wurden auch einige Quellen in der unmittelbaren Umgebung des Kastells gefasst. Man stellte fest, dass es scih um Kohlensäure haltiges Mineralwasser handelt. Die Gräfin entschloss sich diese Quellen zu Kurzwecke zu nutzen. Ein Apotheker aus Steinamanger untersuchte das Wasser und attestierte dem Wasser Heilwirkung. Sulz entwickelte sich zu einem Treffpunkt der vornehmen ungarischen Welt. So wurde Sulz ein vor allem im damaligen Ungarn bekanntes Heilbad.

Aufgrund der Funde aus der Bauzeit kann man annehmen, dass die Heilquellen wahrscheinlich schon von den Römern genutzt wurden.

Vom Heilbad zum Versandbetrieb:

Der frühe Tod der Gräfin Festetics bedeutete auch das Ende des Kurbetriebes. Die späteren Besitzer des Kastells hatten daran kein Interesse.

Als Imre Stippl das Schloss und die Quellen übernahm, hatter er bezüglich der Nutzung des Mineralwassers neue Pläne. Nach dem Vorbild von Heinrich Mattoni in Karlsbad wollte er einen großen Versandbetrieb auf die Beine stellen.

1905 wurde gegenüber dem Kastell eine Abfüllhalle und ein Lager gebaut. Das Wassser brachte man mit Ochsenkarren zur Bahn und es wurde in der ganzen Monarchie unter dem Nachem "Vitaquelle" verkauft.

Nach dem 1. Weltkrieg und mit der Zugehörigkeit zu Österreich fiel der Markt weg und der Betrieb und das Kastell erlebten schwere Zeiten. Nach dem Tod des letzten Besitzers im Jahre 1962 verfällt das Gebäude. Auch die Güssinger Mineralwasser AG, die die Quelle bis heute nutzt, hatte keine Verwendung mehr für das Schloss. Die geplante Demolierung konnte durch die 1973 erfolgte Unterschutzstellung durch das Bundesdenkmalamt verhindert werden.

Nachdem das Kastell als Denkmal geschützt wurde, gründete sich 1980 der "Kastell Verein Sulz". Dieser kaufte das Kastell zum Zwecke der Erhaltung und Revitalisierung. Der Verein renovierte mit Hilfe des Landes Burgenland das Dach und sicherte die Bausubstanz. Bis heute ist es dem Kastell Verein Sulz aber nicht gelungen, dieses denkmalgeschützte Gebäude einer neuen Bestimmung zuzuführen. Zahlreiche Projekte scheiterten entweder durch die Unfinanzierbarkeit seitens der Projektleiter oder an internen Meinungsverschiedenheiten des Vorstandes des Kastellvereins.

Baubeschreibung:

Das Kastell ist ein Zentralbau mit 6 mächtigen Säulen aus Sandstein in der Art eines griechischen Tempels

  • zweigeschoßig
  • mächtiges Walmdach mit Gauben
  • teilweise unterkellert
  • 664 m² Grundfläche
  • Denkmalschutz auf der Fassade und dem Dach, Innengestaltung frei
  • Anbau eingeschoßig, nicht unterkellert, kein Denkmalschutz

Das Grundstück rund um das Kastell ist ein Naturpark mit einem Eichenbestand aus der Gründerzeit und umfasst 4,3 ha.

Pläne des Gebäudes:

Frontansicht (klick hier)
Erdgeschoss (klick hier)
Obergeschoss (klick hier)

Fotos des Kastells:

  

 
 
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