Rene Kollarits
 
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Jahrhunderthochwasser in Sulz PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 28. Juni 2009 um 07:48


Bericht Jahrhunderthochwasser in Sulz - 24.06. bis 28.06.2009

 

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Die Geschichte wiederholte sich. Seit Wochenbeginn regnete es im Südburgenland sehr intensiv. Von der Sonne war keine Spur. Ständig hörte man in den Nachrichten vom angekündigten Intensivregen, der in den letzten drei Tagen kleine Flüsse zu reißenden Bäche ansteigen ließ.

So begann für die Feuerwehr Sulz bereits am Mittwoch um 10.48h der erste Einsatz, der sich nach Auspumparbeiten im Ort gleich weiter nach Neusiedl bei Güssing verlagerte, wo Hilfeleistungen bei Pumparbeiten und Evakuierung einiger Schweine gefragt waren.

Nachdem der Regen nochmals stärker wurde, kam es bereits am frühen Nachmittag zu den ersten Straßensperren in Neusiedl bei Güssing, Kukmirn, Eisenhüttl und Gerersdorf. Die FF-Sulz konnte nur noch über Umwegen in den Heimatort gelangen, wo sich die Lage rund um die Güssingerhallen zuspitzte.

Da alle Wehren im Abschnitt selbst in ihrer Heimat im Großeinsatz waren und die umliegenden Wehren in Güssing aushalfen, konnte uns nur die FF-Neustift bei Güssing unterstützen. Mit Schotter und Sand beladene Traktoren und mit Unterstützung vom Bagger versuchten wir den Damm zu stärken. Sandsäcke wurden gefüllt und zur Unterstützung des Damms auf der Südwestseite des Geländes der Güssinger Beverages & Mineralwater GmbH aufgelegt. Doch halbstündlich stieg der Zickenbach an und drückte das Wasser bis zur Landesstraße, die um ca. 19.00h gesperrt werden musste.

Somit war klar, dass bei diesen Wassermassen der Damm nicht zu halten war, da sich das Wasser über die Landesstraße entlang in Richtung Güssingergelände vorarbeitete und binnen einer Stunde das komplette Museum der Vitaquelle überflutete und sich am ganzen Gelände der Güssinger sowie in den Hallen verteilte. Es galt zu retten was zu retten war. Doch dann mussten wir den Kampf mit den immensen Wassermassen, die jene aus dem Jahre 1997 noch einmal um einiges übertrafen, aufgeben.

Der Einsatz verlagerte sich zu den einzelnen Häusern in der Nähe des Güssingergeländes, wo gleichzeitig vier Keller auszupumpen waren. Durch den Druck der Wassermassen floss das Wasser in mehreren Kellern sogar durch einige Stellen an der Mauer. Die Pumpen liefen auf Hochtouren. Jedoch war der Wasserstand in der Umgebung des Zickenbaches dermaßen hoch, dass das Wasser immer wieder zurückgedrückt wurde. Als die Gefahr der Keller um Mitternacht unter Kontrolle war und das Wasser seinen Lauf in Richtung Güssing nahm, ruhten sich die Feuerwehrleute für ein paar Stunden aus und machten sich ab 06.00h morgens ein Bild von der Lage. Sofort wurde am Güssinger Gelände mit den Pumparbeiten begonnen. Die Wassermassen rissen alles mit, was im Gelände lose stand. Es zeigte sich ein Bild der Verwüstung. Mit allem was für die Pumparbeiten zur Verfügung stand wurde der Keller sowie das Museum des alten Vitagebäudes ausgepumpt. Nebenbei liefen die Aufräumungsarbeiten in den Füllhallen und Lagerhallen der Güssinger Beverages & Mineralwater GmbH.

Als bekannt wurde, dass zwei Öltanks im Keller aufgeschwemmt waren und sich das erste Öl seinen Weg in die Freiheit kämpfte, wurde eine Ölsperre errichtet, um das austretende Öl abzufangen. Wir konnten diese Situation vorerst sehr gut unter Kontrolle bringen. Doch als wir soweit abgepumpt hatten, dass wir Zugang zum Öllager hatten, sahen wir das Problem. Gegen diese Ölmenge waren wir machtlos und sofort wurde die Fa. Stipits mit ihren 25.000 Liter Ölabscheidetank bestellt, wodurch die Situation gemeistert wurde.

Die Arbeit des ganzen Nachmittags bestand aus Pump- und Aufräumungsarbeiten. Es gelang uns, die alte Vita und das Museum fast zur Gänze vom Dreck zu befreien. Die Kräfte gingen gegen 18.00h dem Ende zu. Frische Kräfte rückten nach und unterstützten uns bei den Arbeiten. Doch als wir unser Gerät sortierten und fertig zum Einrücken waren, zog ein erneutes Unwetter durch. Wir begaben uns in das Feuerwehrhaus zurück und versuchten das ganze Gerät zu ordnen und die Einsatzbereitschaft wieder herzustellen. Aber nach einem eine Stunde andauerndem Gewitter mit Starkregen stand die Vita erneut ca. 40 ca. unter Wasser. Die Pumparbeiten wurden erneut aufgenommen und dauerten bis ca. 23.00h (25.06.)

Was sich jedoch seit Mitternacht in Güssing, wo Katastrophenalarm ausgelöst wurde, und am frühen Nachmittag in den umliegenden Gemeinden bzw. in Güssing und im Stremtal abspielte, konnten wir nur durch Berichte aus dem Radio bzw. einigen Augenzeugen erfahren. In Güssing überflutete der Zickenbach und die Strem die komplette Gartengasse, das Gelände um den Aktivpark, das Altenheim sowie viele Häuser entlang der Strem. Am ärgsten erwischte es Strem, wo die ganzen Keller der Häuser eine kompletten Straße unter Wasser standen.
(soweit der Bericht 24. und 25.06.)

Der 26.06. begann mit Trocknung der Geräte und Schläuche. Am späten Vormittag wurden Uniform, Handschuhe, Schuhe, Einsatzgerät zum Trocknen ins Freie gebracht, wo die Sonne intensiv strahlte. Um 12.30h zog die erste Gewitterzone des Tages vorüber, jedoch regnete es nicht so stark. Das schwüle Wetter verheißte aber nichts Gutes, weshalb einige Feuerwehrmänner die volle Einsatzbereitschaft vorbereiteten. Die zweite Gewitterfront zog auf. Diese hatte bereits mehr Regen mit und sorgte für das Ansteigen des Ortsbaches auf ein Niveau, welches kontrollierbar schien. Zur Sicherheit begann man mit der Füllung der Sandsäcke und verteilte diese präventiv an die Häuser, welche von einem möglichen Überlaufen des Ortsbaches betroffen wären.

Um ca. 15.00h fuhren wir Patroullie und kontrollierten den Wasserstand des Zickenbaches und des Ortsbaches an verschiedenen Stellen. Als uns auf unserer Fahrt in Richtung Gamischdorf die Wassermassen aus den Gräben entgegen kamen und das Passieren der Straße an einigen Stellen nicht mehr möglich war, wurde uns klar, dass wir uns auf das Schlimmste vorbereiten mussten. Um 15.30h fuhr die Sirene hoch. Die Stadtfeuerwehr Güssing forderte die FF-Sulz zur Unterstützung beim Pumparbeiten in Güssing an. Jetzt musste entschieden werden, ob wir diese Pumparbeiten unterstützen können, oder ob es bei uns im Dorf selbst schon kritisch war. Eine Gruppe von sieben Mann fuhr mit dem Tanklöschfahrzeug nach Güssing und war ca. eine Stunde mit Pumparbeiten beschäftigt. In der Zwischenzeit sammelten sich alle übrigen Feuerwehrleute vor dem FF-Haus und füllten mit Unterstützung der Bevölkerung weitere Sandsäcke.

Als die Gruppe mit dem TLF aus Güssing zurück kam, ging erneut ein schweres Gewitter nieder. Die Lage wurde immer ernster und so schnell es ging, fuhren wir mit zwei Traktoren zu den Häusern, um sie mit Sandsäcken zu sichern. Das Beladen des Traktors mit Sandsäcken und das Ausführen zu zwei Häuser dauerte nicht mehr als 5 Minuten. Doch in dieser Zeit regnete es so stark, dass das komplette Gewand durch und durch nass und zum Ausdrücken war. Spätestens als der Ortsbach innerhalb von 15 Minuten um fast 50cm stieg, konnte man die Resignation der Feuerwehrleute sehen, die sich bemühten, einen Damm um die Ortsbrücke zu bauen.

Ab diesem Zeitpunkt hatte ich mein Zeitgefühl verloren. Es muss etwa 18.00h gewesen sein, als sich plötzlich innerhalb von Minuten die pure Panik im Ortskern breitmachte. Gleichzeitig standen binnen kurzer Zeit mindestens 20 Keller in Sulz unter Wasser. Von den Anhöhen schoss das Wasser an verschiedenen Stellen wie ein reißender Fluss durch die Ortschaft. Keller in der Siedlung standen bis zur Decke unter Wasser. Wir versuchten alles, um den Betroffenen zu helfen. Mit Pumpen und Sandsäcken fuhren wir mit Traktoren zu den einzelnen Kellern. Der Regen prasselte weiterhin mit voller Wucht auf die schon stark überflutete Ortsdurchfahrt.

In dieser Hektik war es uns unmöglich, jeden zur Hilfe zu eilen. Jeder bettelte um eine Pumpe und weitere Sandsäcke um das Schlimmste zu verhindern. Die Verzweiflung war vielen ins Gesicht geschrieben. Wir unternahmen alles in unserer Macht stehende, um das Ausmaß der Schäden zu minimieren. Doch mit den Rundblick auf die Wassermassen, die es durch die Ortsdurchfahrt drückte, waren wir alle überfordert. Nach ca. 45 Minuten hörte es endlich auf zu regnen. Es bot sich ein grausames Bild, ein Bild, das Sulz noch nie erlebt hatte. Das Wasser bahnte sich seinen Weg durch den Ort. Pumparbeiten hatten an diversen Stellen keinen Sinn, da sich kein Anzeichen bot, dass der Wasserstand zurück ging.

Die Straßen Richtung Steingraben und Gerersdorf mussten abgesperrt werden und auf dem Gelände der Güssinger Beverages & Mineralwater GmbH bildete sich ein See, schlimmer als er einen Tag zuvor war. Es dauerte mehr als zwei Stunden, bis sich der Wasserpegel anfing zu senken. Dort wo es möglich war, liefen die Pumpen auf Hochtouren. Die Dunkelheit brach herein und das Wasser zog langsam Richtung Zickenbach ab. Sowohl die Pumparbeiten als auch die Reinigung der mit Schlamm bedenken Straßen dauerten bis 02.00h in der Früh. Verzweiflung sah man in den Gesichtern der Betroffenen. Denn dieses Mal war es weitaus schlimmer als im Jahre 1997. Auch in den Gesichtern der Feuerwehrleute sah man die Resignation in Bezug auf das Museum und die Füllhallen der Güssinger. Einen Tag zuvor pumpte man die alte Vita und das Museum komplett ab und reinigte den Keller und das Museum.

Am nächsten Morgen (27.06.) bot sich am Geländer der Güssinger ein verheerendes Bild. Die ganzen Arbeiten begannen wieder von vorne und dauerten bis zum späten Nachmittag an. Vom 27.06. auf 28.06. beruhigte sich das Wetter ein wenig und die Feuerwehrleute konnten endlich einmal ein wenig länger schlafen. Viele Keller der unteren Hauptstrasse wurden zum zweiten Mal in dieser Woche ausgepumpt. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

Um die Mittagszeit des 28.06. regnete es innerhalb von 15 Minuten weitere 13 Liter. Seit den letzten fünf Tagen hatte es in Sulz nicht weniger als 215 Liter geregnet, eine Menge, die es eigentlich in zwei einhalb Monaten regnet. Dieser Mittagsregen war die Vorstufe dessen, was sich ab 16.00h in Sulz abspielen sollte. Wir begannen um 13.30h mit den Füllen aller vorhandenen Sandsäcke. Doch als der Wolkenbruch um ca. 15.00h einsetzte bereiteten wir uns auf das Schlimmste vor. Der Regen hörte einfach nicht auf. Und deshalb gab es auch schon die ersten Meldungen von Überschwemmungen, die wir mit Sandsäcken versuchten unter Kontrolle zu bringen.

Als sich die Lage aber dramatisch zuspitzte, mussten wir das Bundesheer und weitere Feuerwehren zur Unterstützung anfordern. Das Bundesheer brachte nicht weniger als 600 fertige Sandsäcke, die an verschiedenen Stellen zum Schutz ausgelegt wurden. Die ersten Wassermassen, die sich von der Ostseite dem Dorf näherten, konnten wir noch umleiten aber nicht aufhalten. Dann schoss das Wasser die Schulstrasse in Richtung Ortsdurchfahrt. Auch hier war es uns möglich, das Wasser Richtung untere Hauptstrasse zu leiten. Der Ortsbach jedoch stieg von Minute zu Minute. An den Fotos und Videos kann man erkennen, wie sich die Lage entwickelte und wie sehr man sich bemühte, den Schaden in Grenzen zu halten. Doch als der Ortsbach nicht mehr zu halten war, wusste ein jeder, was nun auf uns zu kommt. Die Wassermassen bahnten sich ihren Weg durch den Ort. Wir konnte nur zusehen und waren machtlos. Die Siedlung blieb an diesem Tag verschont, traf man während des Tages auch gute Vormaßnahmen, um eine erneute Überflutung abzuwehren. Im Ort waren diese Maßnahmen jedoch trotz der Unterstützung durch andere Feuerwehren und dem Bundesheer nutzlos.

Wieder konnte man nur zusehen wie sich jene Keller und Häuser, die diese Woche nun schon zum dritten Mal völlig unter Wasser standen, füllten. Verzweiflung machte sich im Ort breit, als der Ortsbach zunächst gar nicht aufhörte zu steigen. Es war eine bange Stunde, wo alle die Situation gespannt beobachteten. Doch schließlich hörte es auf zu regnen und nach einer weiteren Stunde, es muss so gegen 20.30h gewesen sein, konnte mit den ersten Pumparbeiten begonnen werden. Es wurde mit allen zur Verfügung stehenden Pumpen das Wasser so schnell wie möglich aus dem Ortskern gepumpt, wobei es dieses Mal, durch die Unterstützung von vier weiteren Feuerwehren bedeutend schneller ging.

Viele Feuerwehrleute standen seit dem 24.06. bereits den fünften Tag hintereinander im Einsatz. Für sie war es wie in einem Film, der zweimal zurückgespult wurde. Auch das Gelände der Güssinger Beverages & Mineralwater GmbH hat es diese Woche zum dritten Mal erwischt. So eine Woche hatte Sulz noch nie erlebt. Heute sah und spürte man förmlich die Hilfsbereitschaft und Solidarität für und mit den Betroffenen. Bleibt zu hoffen, dass die kommende Woche gnädig ist und die noch anstehenden Regenfälle sich in Grenzen halten.

(RK)

 
 
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